Meister Organist Winfried Bönig im Kölner Dom

Meike Krautscheid News • 07. Mai, 2016

Am Mittwoch Abend war ich auf dem Weg nach Hause. Um nach Lövenich mit der S- Bahn zu fahren muss ich manchmal am Kölner Hauptbahnhof umsteigen. Die Wartezeit am Hauptbahnhof verbringe ich meistens nicht gerne wartend am Gleis, sondern ich gehe lieber noch ein paar Runden durch den Bahnhof. So auch an diesem Abend. Zufälligerweise traf ich ein paar Musikerkollegen, die mich fragten, ob ich mit zu einem Orgelkonzert im Kölner Dom wolle – meine Neugier ein Konzert in der Kathedrale zu hören war zum Glück größer als meine Müdigkeit.

Irgendwie hatte ich in Erinnerung, dass mir jemand mal erzählt hat, der Organist im Dom müsse die Töne ganz kurz spielen (quasi staccato), damit der Sound nicht ein reines Durcheinander wird durch den langen Nachhall. (OK, jetzt weiß ich, dass das nicht stimmt).

Da waren wir nun, um kurz vor Mitternacht zum nächtlichen Orgelkonzert mit dem Meister Organisten Winfried Bönig im Kölner Dom. Im Rahmen des Acht Brücken Festivals finden derzeit überall in der Stadt Konzerte statt. Der Dom war im gedämmten, atmosphärischen Licht beleuchtet. Der hellste Fleck schien das Notenpult des Organisten zu sein. Im Publikum geschätzte 700 – 1000 Zuhörer, die gespannt auf den Orgelklang zu „L’Ascension“ (Olivier Messian) warteten. Ich war noch nie zu so später Stunde im Dom, und dann auch noch so viele Menschen, die ganz still zusammen einkehrten. Als der erste Klang der Orgel zu hören ist, wird es stiller als still in der gotischen Kirche. Es ist wie eine Meditation. Die gigantische Orgel scheint mit seinem Klang jeglichen Gedanken aufzusaugen. Es bleibt nur noch die Wahrnehmung.

Vom harmonischen Klangteppich über moderne Klangfolgen mit dissonanten schnellen Einwürfen zum gewaltigen Bassmassiv. Ich spürte wie der Bass der Orgel mein Gesicht vibrieren lässt. Wohl ein Traum für einen jeden Bassspieler. Ich stelle mir vor, wie dem Organist an dieser Bass-Stelle ein Lächeln über das ganze Gesicht bekam. Dann diese erstaunliche Dynamik und der Stereosound der Orgel – ein Abwechseln der Tonrichtung – einmal aus der Mitte der Kirche und dann wieder aus der Richtung des Schiffs / Altars. Dieser angenehme Hall. Nicht zu lang, nicht zu flattrig. Der Orgelsound kommt so gut im Raum zu tragen. Wie wunderbar, das miterlebt zu haben!

Also definiv eine Empfehlung wert, Augen und Ohren offen zu halten für das nächste Konzert im Kölner Dom!

 

Herzlichst,

Meike Krautscheid

By | 2018-02-18T23:01:48+02:00 Mai 7th, 2016|Allgemein|